Bereitstellungszinsen - Wie vermeiden?

Bereitstellungszinsen zahlen Sie an Ihr Kreditinstitut, wenn Sie Teile Ihres bereitgestellten Darlehens noch nicht abrufen. Ihre Bank darf Ihnen diese Gebühren in Rechnung stellen, weil ihr in dieser Zeit die Zinseinnahmen für den bereits zugesicherten Nettodarlehensbetrag entgehen. Die Bereitstellungszinsen dienen der Bank dazu, diesen Ausfall zu kompensieren. Wie hoch die Bereitstellungszinsen sind, hängt vom jeweiligen Kreditinstitut ab. Häufig liegt der Zins bei 0,25 Prozent pro Monat.

Wann werden Bereitstellungszinsen für mich relevant?

Bereitstellungszinsen sind immer dann ein wichtiger Faktor bei der Baufinanzierung, wenn Sie eine Immobilie bei einem Bauträger kaufen oder ein Haus bauen. Denn anders als beim Kauf einer schon errichteten Immobilie bekommen Sie in diesen Fällen Ihr Darlehen nicht auf einmal ausgezahlt, sondern in Teilbeträgen. Diese richten sich nach dem Baufortschritt bzw. den jeweils erbrachten Bauleistungen. Wird ein solcher Betrag nicht abgerufen, zum Beispiel weil sich der Baubeginn verzögert, hält Ihr Kreditinstitut das Darlehen solange bereit, bis Sie den entsprechenden Teilbetrag tatsächlich benötigen. Im Gegenzug kann die Bank von Ihnen Bereitstellungszinsen verlangen. 

Gibt es eine bereitstellungszinsfreie Zeit?

Kreditinstitute gewähren meist eine Zeitspanne, in der noch keine Bereitstellungszinsen zu zahlen sind. Der Zeitraum hängt vom jeweiligen Kreditinstitut ab – manche verlangen bereits nach zwei Monaten Bereitstellungszinsen, andere erst nach einem Jahr oder in Einzelfällen nach noch längerer Zeit. Bei einigen Kreditinstituten können Sie die bereitstellungszinsfreie Zeit verlängern. Allerdings müssen Sie dafür einen Aufpreis zahlen. 

Wie können sich Bereitstellungszinsen auf meine Baufinanzierung auswirken?

Bereitstellungszinsen können Ihre Kreditkosten schnell in die Höhe treiben. Wie sich die Zinsen auf Ihre Baufinanzierung auswirken können, zeigt unser Vergleich von zwei Kreditangeboten:

Welches Angebot ist das günstigere?

Angebot 1Angebot 2
Finanzierungsvolumen150.000150.000
Sollzinsbindung10 Jahre10 Jahre
bereitstellungszinsfreie Zeit12 Monate6 Monate
Auszahlung in 12 Monatenin 12 Monaten
Bereitstellungszins p.m.0,25%0,25%
Bereitstellungszins insgesamt0 Euro2.250 Euro (6 * 0,25% * 150.000 Euro)
Nettofinanzierungsbedarf150.000 Euro152.250 Euro
Zinssatz p.a.2,0%2,0%

Angebot 1 bietet bei gleichem Finanzierungsvolumen und gleich hoher Monatsrate die besseren Konditionen. Erkennbar ist der Vorteil an der Höhe der Restschuld nach Ablauf der Zinsbindung. Diese macht bei Angebot 1 nur noch 100.230 Euro aus und ist damit 2.747 Euro niedriger als bei Angebot 2. Verantwortlich dafür sind die Bereitstellungszinsen. Während Angebot 1 zwölf bereitstellungsfreie Monate vorsieht, sind gemäß Angebot 2 bereits nach sechs Monaten Bereitstellungszinsen in Höhe von 2.250 Euro fällig (6 x 0,25 % von 150.000 Euro = 2.250 Euro). Diese sind bei der Beurteilung der Darlehenskonditionen zu berücksichtigen und – soweit sie nicht aus Eigenmitteln aufgebracht werden – auf den Nettodarlehensbetrag aufzuschlagen. (150.000 Euro + 1,5 % = 152.250 Euro).

Wie lassen sich Bereitstellungszinsen vermeiden?

Der beste Weg, um Bereitstellungszinsen zu vermeiden, ist eine exakte und detaillierte Finanzierungsplanung: Kalkulieren Sie genau, wann Sie welchen Darlehensbetrag bei Ihrer Bank abrufen werden. Reicht die bereitstellungszinsfreie Zeit nicht aus, verhandeln Sie mit Ihrem Kreditinstitut. Da die meisten Banken in puncto Bereitstellungszinsen einen gewissen Spielraum haben, wird die Zeit möglicherweise ausgeweitet. Grundsätzlich sind die meisten Darlehensgeber gesprächsbereit. Auch über die Höhe der Bereitstellungszinsen lässt sich nicht selten verhandeln.